Elternatlas

Kinder werden zu echten Walddetektiven beim LBV Augsburg

Eine Gruppe Grundschulkinder trifft sich auf einem Parkplatz bei einem kleinen Wäldchen in Pfersee. Sie sind Naturforscher und keinesfalls für einen langweiligen Waldspaziergang zu haben. Denn die jungen Abenteurer sind in einer Mission unterwegs. Sie möchten Dachsspuren finden und einen Gipsabdruck vom Trittsiegel gießen. Manuel Paula ist Wildnispädagoge sowie zertifizierter Fährtenleser und hilft den Mädchen und Jungen, ihren Auftrag zu erfüllen. Sonja Wagner ist ebenfalls mit im Team der Naturkindergruppe des Landesbundes für Vogelschutz in Bayern Kreis Augsburg. Sie ist eine begeisterte Draußen-Mama und absolvierte als Gruppenbegleiterin extra einen Erste-Hilfe-Kurs.

Doch wie kommt man nun einem Dachs auf die Spur?

Kindergruppe Naturforscher des Landesbund für Vogelschutz in Bayern Kreis Augsburg

Das Team bewegt sich in Richtung ihres Brotzeitbaumes querwaldein. Dabei kommen sie an einigen Nistkästen vorbei, die den Vögeln auch im Winter helfen. „Was ist das denn für ein flacher Nistkasten? Ist der etwa für einen Pfannkuchenvogel?“, fragt Paula die Kinder unwissend? Diese lachen lauthals. „Nein“, ruft ein Junge, „die sind für die Fledermäuse.“ Auf ihrem Weg bleiben alle an einem Baum, in den Buchstaben geritzt sind, stehen. Wagner hat eine Quizfrage: „Warum heißen die Buchstaben Buchstaben?“ Die Kinder raten munter drauf los und auf einmal ruft ein Mädchen die Lösung in die Rune: „Weil man früher die Runen in Buchen geritzt hat.“ Volltreffer. „Doch warum ritzte man sie nicht in die Rinde von Linden?“, will Wagner weiter wissen. Auch das wissen die kleinen Waldexperten sofort: „Diese wäre viel zu rissig und uneben.“ Wagner stellt noch eine Frage: „Bleibt der Buchstabe auf dieser Höhe oder wächst er mit dem Baum nach oben?“ Hier sind alle Antworten vertreten und die Auflösung wird natürlich verraten: „Der Baum wachst nur im Bereich der Stammspitze in die Länge.“ Deshalb würden die eingeritzten Buchstaben auf gleicher Höhe bleiben, aber dafür im Laufe der Jahrzehnte etwas in die Breite gehen. Seit rund einem Jahr ist der Brotzeitbaum das geheime Lager der Waldkinder.

Kein Weiterkommen möglich, oder doch?

Kindergruppe Naturforscher des Landesbund für Vogelschutz in Bayern Kreis Augsburg

„Hoppla, was ist denn hier passiert?“, rufen sie verwundert. Es wurden einige Bäume gefällt, die nun den Weg versperren. Kein Problem. Vorsichtig balancieren sie auf den gefällten Stämmen hinüber zu ihrem beliebten Platz. Sie bilden einen Sitzkreis. Paula, den alle hier nur Manu nennen, zeigt ihnen, wie man sich auf den Boden setzt, ohne dass dabei der Popo nass wird. „Hört mal in den Tag rein“, fordert er sie auf. Dabei legt jeder die Hände an die Ohren und lauscht. „Findet ihre fünf Geräusche? Welches ist das lauteste und welches das leiseste Geräusch? Hört mal was hinter Euch ist.“ Manu hat viele Fragen parat und er rät, Fragen eines Kindes nie mit einer Antwort kaputt zu machen, sondern es durch hinterfragen immer näher an die Antwort heranbringen, so dass es selbst darauf kommt. „Riecht den Duft des Waldes, streckt die Zunge raus und schmeckt ihn, fühlt ihn auf der Haut. Seht bei Wind nach oben, da Totholz herunterkommen kann. Achtet am Boden auf Stolperfallen. Guckt immer wieder nach hinten, damit ihr wieder zurück findet, da der Weg zurück anders aussieht als der Hinweg.“ Manu kommt aus dem Tippgeben gar nicht mehr heraus und seine Schüler saugen die Informationen auf wie ein Schwamm. „Nun passt gut auf, ob ihr Dachsspuren findet, wenn wir weiter gehen.“ Dabei lernen sie ganz nebenbei die Giftpflanzen Seidelbast und Eibe kennen, die auf ihrem Fußmarsch liegen. „Wenn wir uns im nächsten Jahr mit Essbarem aus dem Wald beschäftigen, müssen wir zuerst das Giftige kennen!“, betont Manu.

Kindliche Neugierde und die Freude der Entdeckung

Kindergruppe Naturforscher des Landesbund für Vogelschutz in Bayern Kreis Augsburg

Plötzlich stehen mehrere Buben um ein Federschlachtfeld herum. Zusammen rätseln sie, was das für ein Vogel war und wer ihn sich als Beute geschnappt haben könnte. Auf einmal entdecken sie einige Dachsbauten. „Woran erkennt man, ob ein Dachsausgang benutzt wird oder nicht?“, will Manu wissen. „Wenn Spinnweben und Blätter davor liegen, dann wird er nicht benutzt“, erklärt ein Mädchen. „Hier sind Dachsspuren“, schreien die Kinder aufgeregt. „Hier auch!“ Es herrscht wilder Aufruhr. Manu mahnt von Weitem: „Passt auf, dass ihr die Spuren nicht zertretet!“ Er eilt zu ihnen und sieht sie sich genau an. „Das ist ein sehr schönes Trittsiegel. Doch woher wisst ihr, dass das von einem Dachs ist?“ Die Fährtenleser zählen Krallen und Zehenpolster und begutachten die Bogenform. Es ist tatsächlich von einem Dachs. Sie haben Recht. „Doch schaut mal, direkt daneben ist noch ein Abdruck von einem anderen Tier. Welches könnte das sein?“ Schnell wird klar, dass das ein Huf von einem Reh ist. „Wollen wir von beiden Gipsabdrücke machen?“ Ein lautstarkes Ja ertönt wie aus einem Munde.

Kindergruppe Naturforscher des Landesbund für Vogelschutz in Bayern Kreis Augsburg

Am nächsten Tag wird Sonja beide Siegel mitnehmen, denn es dauert, bis sie fest sind. Luca findet einen Knochen, ein Gelenk. Von welchem Tier mag dieser wohl stammen? Bei jedem Schritt und Tritt entdecken die neugierigen Detektive etwas. „Es braucht Langsamkeit. Dann passieren Wunder“, lächelt Sonja und freut sich, dass die Kinder immer wieder so toll mitmachen. Marie und Mona haben noch eine Überraschung dabei, denn sie waren mit ihrer Klasse am Vormittag schon im Wald. Sie ziehen ein Blatt mit lauter kleinen Eiern hervor. Keiner weiß genau, was das ist. Doch Manu erklärt, dass das Wespeneier von der Gallwespe sind. „Man muss nicht um die ganze Welt reisen, um spannende Dinge zu entdecken“, ist sich Manu sicher. Wenn sie mit den Kindern den Wald erkunden, dann meist ohne festes Ziel. „Wir gehen je nach Jahreszeit und Interesse der Kinder auf Themen ein.“

Kindergruppe Naturforscher des Landesbund für Vogelschutz in Bayern Kreis Augsburg

Dagmar Blacha leitet die Geschäftsstelle der Kreisgruppe Augsburg des LBV und möchte, dass es in Augsburg Stadt und Land noch viel mehr Gruppen geben wird und die bereits bestehend an Zuwachs gewinnen: „Jeder, der gerne mit Kindern arbeitet und Interesse an unserer Natur hegt, kann eine eigene Gruppe gründen.“ Denn die Liebe zur Natur müsse man den Kindern früh in die Herzen pflanzen. Über den LBV können auch Seminare zum Öko-Trainer absolviert werden.

Kindergruppe Naturforscher des Landesbund für Vogelschutz in Bayern Kreis Augsburg

Naturgruppen für Kinder in Augsburg

  • Hochablass am Glockenturm
    „Naturkinder“ für 4 bis 6-Jährige
    14-tägig jeweils am Donnerstag 15 bis 17 Uhr
  • Wertachdamm an der Wellenburger Allee
    „Naju-Kids“ im Grundschulalter
    1 x im Monat am Samstag 10 bis 16 Uhr
  • Pfersee Gartengemeinschaft Wertachwiese und im Winter auf der Youfarm
    Naturforscher“ für Kinder ab 6 Jahren
    14-tägig jeweils am Dienstag 16.15 bis 17.45 Uhr
  • Wittelsbacher Park
    „Naturkinder“ im Grundschulalter
    2 x im Monat jeweils am Montag 15.30 bis 17 Uhr
  • Göggingen am Hallenbad
    „Naturkinder“ zwischen 6 und 8 Jahren
    1 x im Monat am Samstag 14 bis 16 Uhr
  • In Planung ist eine Eltern-Kind-Gruppe mit 1 ½ bis 3-Jährigen

Ausführliche Informationen im Internet unter https://augsburg.lbv.de/umweltbildung-und-jugendarbeit/naturkindergruppen/


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