Diana Zapf-Deniz / Elternatlas

Landhebamme mit Leidenschaft und Herz im Landkreis Augsburg

Sandra Zitzler ist Hebamme mit Wohnsitz im Landkreis Augsburg, genauer gesagt in Neusäß. Im Umkreis von 20 Kilometern ihres Wohnortes darf sie, laut Krankenkasse, Mütter betreuen. Zumindest werden ihr innerhalb dieses Radius die Fahrtkosten erstattet. Fährt sie weitere Strecken, geht das auf ihre Kappe. Doch wer Sandra kennenlernt weiß, dass sie ein großes Herz hat und für ihre Frauen, wie sie die Mamis nennt, auch weiter fährt.

Bei einem Hausbesuch in Horgau durften wir sie begleiten. An einem sonnigen warmen Tag trafen wir uns bei der frisch gebackenen Mama Katharina Steer. Sandra packte freudig ihre beiden großen Taschen und marschiert zum Haus von Katharina - barfuß. Unglaublich, was eine Hebamme so alles dabei haben muss.

Katharina erwartete uns schon. Mit ihrer kleinen Prinzessin Tessa auf dem Arm öffnet sie uns die Türe. Seit dem letzten Besuch sind nur ein paar Tage vergangen und Katharina hat ein paar Fragen. Wie für Mama mit gut drei Wochen altem Baby üblich, ist sie einfach müde und vermisst ihren Kaffee. "Sandra, ab wann darf ich denn wieder Kaffee trinken?", fragt sie. "Und ab wann darf ich mit der Kleinen denn zum Schwimmen?" "Schwimmbad oder lieber See?" Und auch über das Thema Impfen sprechen die beiden, denn Katharina ist selbst Ärztin und findet Impfen unerlässlich, möchte jedoch gerne die Einstellung ihrer Hebamme kennenlernen, ab wann man impft.

Nach den ersten Fragen widmet sich die Hebamme liebevoll dem Baby. Katharina gibt behutsam Sandra die kleine Tessa in die Hände. Mit ruhiger leiser Stimme spricht Sandra mit Tessa und legt sie auf die Wickelkommode.

Sandra sieht sich die Kleine genau an. Ist der Nabel schön? Wie sind die Reflexe? Macht sie einen gesunden Eindruck? Und dann muss das Baby natürlich noch gewogen werden. Hat sie zugenommen? Sandra hat ihr Wiegetuch dabei. Doch künftig wird sie das immer weniger einsetzen, weil es von öffentlicher Seite aus gewünscht ist, dass man auf das Gramm genau das Gewicht hat. Somit hat sie auch eine elektronische Waage dabei. Perfekt ausgestattet.

Nach dem Wiegen und Durchchecken ist Tessa froh, wieder in die Arme ihrer Mama zu dürfen und hat sichtlich hunger. Katharina stillt sie und es klappt richtig gut. Allerdings macht sich Katharina Sorgen, dass ihr Baby zu wenig Luft bekommt, da das Näschen verstopft ist. Die Hebamme läuft zu ihrer großen Tasche und holt ein kleines Döschen mit Engelwurzbalsam für Babys heraus. Dabei erklärt sie, wofür der Balsam gut ist und dass er Tessa helfen müsste. Das nächste Mal würde sie noch den Thymian Myrte Balsam sowie einen Rückbildungstee mitbringen. Außerdem bekommt Katharina für Tessa noch Kochsalzlösung für die kleine Schnupfnase.

Ist das nicht toll?! Wir sind begeistert, was eine Hebamme alles weiß und dabei hat. Sandra beschäftigt sich viel mit Naturheilkunde und gibt Kurse, wie man sich eine eigene Hausapotheke zusammen stellt aber auch über Kinderkrankheiten.

"Ich bin total froh, dass Sandra zu mir nach Hause kommt", freut sich die junge Mutter. "Denn bei uns auf dem Land gibt es weit und breit gar nichts." Außerdem findet es Katharina super, dass Sandra barfuß kommt.

Am Ende des Besuchs vereinbaren die beiden den nächsten Termin und Katharina muss noch die Kassenabrechnung unterschreiben.

Alles wird zusammengepackt und Sandra bricht auf, denn die nächste Mami wartet schon.


Hebamme aus Überzeugung

Sandra Zitzler 41 Jahre, arbeitet seit 10 Jahren als Hebamme und ist selbst Mutter von drei Kindern. "Kinder sind die große Liebe die man hat", ist sie überzeugt und das strahlt sie auch aus. Sie lernte zudem Krankenpflegehilfe im Klinikum in Augsburg und arbeitet in der Hebammenpraxis Augsburg mit. Neu entdeckt hat sie die Babyfotografie. Mit einzigartigem Gespür für die Allerkleinsten macht Sandra Fotos die berühren. Ihr findet ihre Bilder auf Instagram unter Bubblybellybaby.

Sandra läuft, wenn es wärmer ist, barfuß. Naturverbundenheit ist für sie ein großes Thema.


Die Diskussion um die Wichtigkeit der Hebammen

Die ganze Diskussion, ob man heutzutage Hebammen brauche, ist völlig irrsinnig, wenn man bedenkt, dass der Beruf einer der ältesten Frauenberufe der Welt ist. Die Arbeit einer Hebamme ist von unschätzbarem Wert und man spricht auch von Hebammenkunst.

Hebammen sind Heldinnen und eine großartige Hilfe für die ganze Familien. Man nennt sich auch Familienpflegerinnen. Wenn eine Frau schwanger wird, ist das eines der größten Ereignisse im ihrem Leben. Alles in ihrem Körper verändert sich und es tauchen viele Fragen auf. Dann eine Hebamme von Anbeginn zur Seite zu haben, die einen in dieser Zeit begleitet ist äußerst wichtig. Denn es stärkt die werdende Mutter in ihrem Selbstvertrauen, wenn sie eine erfahrene Frau stets um Rat fragen kann und beruhigt sie, wenn nicht alles rund läuft. In der entscheidenden Phase der Geburt dann immer noch diese wichtige Frau bei sich zu haben hilft ungemein.

Vertrauenssache Geburt

Beide Frauen, die Hebamme und die werdende Mutter, haben in den Monaten der Schwangerschaft ein Vertrauensverhältnis aufgebaut. Im Krankenhaus wieder auf die eigenen Hebamme zu treffen, die man gut kennt schafft eine gute Atmosphäre in einer doch fremden Umgebung. Umgekehrt ist es für die Hebamme schön, wenn sie ihre werdende Mutter schon kennt und um ihre Bedürfnisse weiß.

Hebamme Sandra findet es wunderschön, wenn sie eine Mama von Anfang bis Ende betreuen darf. Es ist ein Glück, eine Hebamme zu haben. Doch es werden immer weniger, die diesen Beruf erlernen, da sich Hebammen die maßlos teuren Versicherungen kaum noch leisten können. Während früher auf zwanzig freie Hebammenstellen 2000 Bewerbungen kamen, sind es heute nur noch 480 Bewerbungen, weiß Sandra.

Zuhause angekommen

Dann Zuhause mit Baby im Arm angekommen, steht die Hebamme auch für die Nachsorge bereit und umsorgt Mutter und Kind im Wochenbett und danach. Ideal wäre es tatsächlich, wenn das, wie Jahrtausende üblich, von einer Hebamme durchgängig gemacht würde. Die Realität sieht heute leider oftmals anders aus. "Es kann passieren, dass Du heute bis zu 6 Hebammen hast", erzählt Sandra bedrückt. Denn die eine Hebamme mache die Vorsorge, die andere den Geburtsvorbereitungskurs, die nächste ist bei der Geburt dabei, eine macht die Babymassage und dann noch je eine für den Rückbildungskurs und die Nachsorge.


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