Diana Zapf-Deniz / Elternatlas

Mimi & Josy mit The BossHoss in Augsburg: Handy- statt No-Phone-Zone. Brauchen wir a Little Help?

Als im Mai 2019 die beiden Schwestern Mimi und Josefin ihr Welcome-Home-Konzert auf dem Rathausplatz in Augsburg gaben, kamen rund 2000 Fans. Das Event wurde ja relativ kurzfristig, zwei Tage zuvor, bekannt gegeben. Aber viral spricht sich ja alles rasch herum bei der Jugend und die Presse tut ihr Übriges, damit es auch die Eltern mitbekamen. The BossHoss, das Geschwisterpaar und die Stadt Augsburg zogen alle an einem Strang, damit das spontane Dankeschön-Konzert stattfinden konnte.

Mit etwas Verzögerung kamen Alec "Boss Burns" Völkel und Sascha "Hoss Power" Vollmer auf die Ladefläche ihres megastarken Show-Trucks, die ihnen als Bühne diente. Sie waren sozusagen die Vorband der Augsburgerinnen Mimi & Josy, die bei "The Voice Kids 2019" als Gewinner hervorgingen.

Während sich die Eltern richtig über die coolen Jungs von The BossHoss freuten, warteten die Kids natürlich nur auf das sympathische Traum-Duo. Auch OB Dr. Kurt Gribl und viele aus der Stadtverwaltung guckten zu.


Handys so weit das Auge reicht

Doch was war das? Kaum kamen die beiden Mädels auf die Bühne, sah man nur noch Smartphones. Das wirkte fast unheimlich, wie aus einem Science Fiction Film - so ähnlich wie die seltsamen Kinder aus dem Horrorfilm "Das Dorf der Verdammten". Vielleicht nicht ganz so furchteinflössend, aber irgendwie schon wie ferngesteuert. Jeder möchte alles filmen und fotografieren, auf dem Handy haben und sofort auf Insta oder in anderen sozialen Medien hochladen. Seinen Status zeigen, sein Leben offenbaren. Da ist das Wort sozial bei Social Media auch schon wieder verkehrt.

Wo bleibt da die Atmosphäre? Wo bleibt der Spaß? Vergeblich versuchte Boss Burns immer und immer wieder, die Zuschauer zum Mitklatschen zu motivieren. Es wirkte fast so, als müsse er es sich verkneifen, seinen Unmut loszuwerden. Aber er hatte Nachsicht mit den Kids und versuchte es weiterhin geduldig, sie zum Mitmachen aufzufordern.

Doch wie sollte das gehen, wenn man das Smartphone auf keinen Fall aus der Hand legen kann? Wie muss es sich als Künstler auf der Bühne anfühlen, wenn man nur vor tausenden von Handys performt und singt? Wie kann Stimmung aufkommen, wenn alle versuchen, ihr Film- und Fotogerät möglichst still zu halten?

Warum genügen uns heute nicht mehr die Fotos, Berichte, Filme und Reportagen aus den Medien? Es ist ja nicht so, dass die Augsburger Medienmacher nicht vor Ort gewesen wären. Rolf Störmann von RT1 platzierte sich extra in der Mitte der Teenies und filmte mit, Peter Fastl von der Augsburger Allgemeinen und Christian Menkel von der Neuen Szene fotografierten herrlich alles rund um dieses Event, egal ob Nahaufnahmen der stimmgewaltigen Sängerinnen, Plakate aus dem Publikum, Fanfotos, Bilder aus dem Verwaltungsgebäude der Stadt Augsburg mit Sicht auf den gesamten Rathausplatz, Augsburg TV war live dabei, die Presse Augsburg, die Stadtzeitung, das Augsburg Journal, TRENDYone filmte, ja sogar Bayern 3 war da und brachte einen Bericht. Haben wir jemanden vergessen zu erwähnen? Auf jeden Fall waren so ziemlich alle Medien da. Tja - und dann das. Jeder filmte und fotografierten jeden.

Warum können wir denn heute solche wunderschönen Momente nicht mehr ohne unser Smartphone genießen? Uns einfach der Musik hingeben? Die Atmosphäre spüren? Im Rhythmus mitwippen, den Songtext falsch und lauthals mitsingen und einfach Spaß haben? Früher, eigentlich nicht wirklich viel früher, aber einfach noch vor ein paar Jahren gaben die Stars auf der Bühne den Takt an und das Publikum ging mit. Da schwappten Wellen hin und her - ganz harmonisch.


Little Help

Auf den brandneuen Song "Little Help" von Mimi & Josy und The BossHoss freuten sich natürlich alle. Ist ja auch ein Ohrwurm und die Mädels singen umwerfend gut mit ihren gewaltigen Stimmen. Kennt aber jemand auch den Text beziehungsweise die Übersetzung?

"The most likes, check you out, your´re a public sell out. Wanna get the full attention, please your narcissism."

"Die meisten Likes, schau Dich an, Du verkaufst (verrätst) Dich öffentlich."

Geht es nur noch um Likes und lassen wir unsere Emotionen von einem virtuellen Daumen nach oben oder unten, von unbekannten Leuten, bestimmen?

"But it´s just fame in a frame till your batterie dies." Sehr treffend ausgedrückt! Bekanntheit nur in einem batteriebetriebenen Rahmen, die endet, wenn der Akku leer ist.

"Get a life you little fool." Ja, hol Dir Dein Leben (zurück), Du kleiner Narr und hol Dir "a little help" von echten Freunden, die für Dich da sind.

Handyverbote auf Konzerten

Inzwischen gibt es Bands, die Handys auf ihren Konzerten verbieten beziehungsweise Handy-Tresore anbieten. Dazu muss keiner sein Smartphone beim Konzert abgeben. Aber das Handy muss für den Eintritt in die No-Phone-Zone in eine spezielle Handytasche, wie etwa die von "Yondr".

Diese Handytaschen können auch in Schulen, Universitäten, auf Events, Konzerten, Vorträgen und überall, wo Smartphones einfach stören, eingesetzt werden. Denn Phone-Free-Spaces sind dringend nötig.

Wer allein bei dem Gedanken, dass sein Handy weggesperrt ist, obwohl er es in der Hand hält, Schnappatmung bekommt, kann ganz beruhigt sein. Denn das Täschchen ist zwar versperrt, doch wenn das Handy vibriert, weil jemand anruft, kann man den handyfreien Raum kurz verlassen, sich das Case entsperren lassen und zurückrufen. Kein Problem. Alles ganz entspannt. Jeder von uns würde auf einmal zu überlegen beginnen, ob ihm ein Anruf wirklich so wichtig ist, dass er ein tolles Konzert verlässt. Ach, was wären wir entspannt, ohne diese Fußfessel - oder in diesem Fall eher Handfessel.

Guckt Euch mal das Video über Yondr an - ist zwar auf Englisch - macht aber nix

Tipp: Wenn Ihr das nächste Mal auf ein Konzert geht, dann lasst das Handy lieber in Eurer Tasche und genießt es einfach.

Was sich wohl Kaiser Augustus gedacht hat? Er hat schon viel erlebt in all den vielen Jahren auf dem Rathausplatz, aber diese Handyflut so wohl noch nicht. In seinen Windeln oder seinem vorübergehenden Beinkleid sah er nicht sonderlich gut aus, aber er wirkte souverän und erhaben über dieses Phänomen.

­
­

Unsere Webseite verwendet Cookies, um Dir ein angenehmes Surfen zu ermöglichen. Du kannst Deine Cookie Einstellungen jedoch jederzeit verändern. Weitere Informationen findest Du in unserer Datenschutzerklärung.